Interview

Written by Martin Teichmann on Dienstag, 13 Dezember 2016. Posted in Praxis, Aktuell

top magazin BONN

Die eine joggt, bis ihr das Knie schmerzt. Der andere verdankt sein Rückenleiden der täglichen PC-Arbeit. Beiden kann Physiotherapeut Martin Teichmann helfen. Mit dem Top Magazin sprach er über folgenschwere Fehlbelastungen, realistische Therapieziele und warum Betroffene nicht zwangsläufig auf ihren Lieblingssport verzichten müssen.

Top: Wer kommt zu Ihnen in die Praxis?

Martin Teichmann: Das sind ganz unterschiedliche Menschen jeder Altersklasse. Viele leiden unter Rücken-, Knie- oder Kopfschmerzen. Auch Bandscheibenvorfälle und Sehnenreizungen sind keine Seltenheit. Mein therapeutischer Schwerpunkt liegt im orthopädischen und sportmedizinischen Bereich. Hierzu gehört zum Beispiel die Verbesserung und Linderung von funktionellen Bewegungs-störungen, die Nachsorge von Operationen oder auch die Prävention von Fehlbelastungen.

Top: Was kann ich mir darunter vorstellen?

Martin Teichmann: Fehlbelastungen können für viele Menschen zum Problem werden. Zum Beispiel für jene, die ihren Arbeitstag über den PC gebeugt verbringen oder ausgiebige Joggingrunden mit den falschen Laufschuhen drehen. Prävention ist hier ein zentrales Thema. Viele kommen erst, wenn der Schmerz bereits unerträglich ist. Wer jedoch weiß, dass er zu einer Risikogruppe gehört – weil er einen bestimmten Beruf ausübt oder ambitioniert Sport treibt – kann schon im Vorfeld gegensteuern. Zum Beispiel mit speziellen Ausgleichsübungen oder gezielten Behandlungen.
Top: Sie haben die Telekom Baskets als Physiotherapeut betreut und lange für die Baskets Sportfabrik gearbeitet. Kein Wunder, dass Sportmedizin zu Ihren Spezialitäten gehört.

Martin Teichmann: Neben meiner Praxistätigkeit betreue ich nach wie vor Leistungs- sowie Hobbysportler – bei akuten Verletzungen oder auch vor, während und nach Wettkämpfen. Da geht es um Leistungssteigerung, aber auch um Regeneration. Viele meiner Patienten wissen meinen sportmedizinischen Hintergrund zu schätzen. Einige kommen verzweifelt in meine Praxis, weil ihnen davon abgeraten wurde, ihren Lieblingssport weiter auszuüben. Mein Fokus liegt jedoch darin, möglichst jeden wieder auf den Fußballplatz, die Skipiste oder ans Tennisnetz zu bekommen.

Top Funktioniert das immer?

Martin Teichmann: Oft, aber nicht immer. Bevor ich mit der Behandlung beginne, führe ich mit jedem Patienten ein ausführliches Gespräch. Hier liegt mir viel daran, die Erwartungen an die Therapie zu erfragen und gemeinsam realistische Ziele zu definieren: Wo stehe ich jetzt? Wo will ich hin? Was ist machbar? Anschließend entwickle ich ein individuelles Behandlungsprogramm. Die Erfolgschancen steigen natürlich enorm, wenn der Patient auch außerhalb der Praxis aktiv mitarbeitet. Je nach Befund kann das zum Beispiel bedeuten, erlernte Übungen im Alltag zu wiederholen oder regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen.

Top: Auch alle anderen Beteiligten sollten an einem Strang ziehen.

Martin Teichmann: Richtig. Es nützt zum Beispiel nichts, wenn der Arzt, der Personal Coach oder der Trainer im Fitnessstudio andere Übungen empfiehlt als der Physiotherapeut. Das verwirrt den Betroffenen bloß. Daher nehme ich, wenn nötig, Kontakt zu allen Beteiligten auf, um sicher zu gehen, dass wir miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Als unabhängige Praxis arbeiten wir mit verschiedenen Ärzten, Klinken, Trainern und Gesundheitszentren zusammen und vermitteln bei Bedarf gerne an entsprechende Spezialisten, die die Therapie unterstützen und begleiten können.

Top: Bei Ihnen dauern Behandlungen in der Regel 30 statt wie vielerorts üblich 20 Minuten. Woran liegt das?

Martin Teichmann: Ich möchte die Möglichkeit haben, individuell auf meine Patienten einzugehen und auch mal verschiedene Methoden auszuprobieren. Außerdem lege ich viel Wert auf Kommunikation. Das braucht halt Zeit. Wenn ich merke, dass 30 Minuten nicht ausreichen, trage ich auch mal 45- oder 60-minütige Termine ein. Ich habe mich bewusst dazu entschlossen, eine kleine, persönliche Praxis zu eröffnen, statt Patienten „wie am Fließband“ zu behandeln.

Top: Neben Sportlern betreuen Sie auch Musiker – zum Beispiel im Rahmen lokaler Festivals, wie der Rockaue.

Martin Teichmann: Ja, eine weitere spannende Perspektive meiner Arbeit, die eine tolle Abwechslung zum Praxisalltag bietet. Anders als im Sport ist die Physiotherapie bei Musikern ein weitgehend unbekannter und unterschätzter Bereich. Dabei strapazieren Musiker ihren Körper ähnlich stark wie Profisportler. Durch stundenlanges Üben mit ständig wiederkehrenden Bewegungsmustern werden je nach Instrument unterschiedliche Muskelgruppen einseitig belastet. Unter dem Titel „Physio for artists“ behandle ich neben Musikern auch Artisten, Schauspieler und Künstler aller Art.

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Inhaber und Therapeut

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