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Wieder auf dem Sprung

Basketball zwischen Dunking und Umknicktrauma

Von Alexander Eisenreich

Erschienen in: pt – Zeitschrift für Physiotherapeuten, 78. Jahrgang, Juli 2026, Titelbeitrag, S. 24–35

Foto: DBB / Berger / Wiedensohler / Kröger

Hohe Kräfte bei Absprung, Landung und Richtungswechsel machen das Sprunggelenk im Basketball besonders anfällig für akute Verletzungen. Trotz moderner Präventions- und Rehabilitationskonzepte zeigen viele Athleten hartnäckige Beschwerden oder entwickeln chronische Instabilitäten. Für Physiotherapeuten ergibt sich daraus die Aufgabe, nicht nur die akute Verletzung zu behandeln, sondern langfristig funktionelle Stabilität, sportartspezifische Belastbarkeit und Rückfallprophylaxe sicherzustellen. Entscheidend für die Rückkehr ins Spiel ist ein strukturiertes Return-to-Play-Management.

7. Dezember 2025, Madison Square Garden, New York. Das Quietschen von Basketballschuhen auf dem Parkett hallt durch die Arena. Tausende Fans klatschen, jubeln und feuern ihre Mannschaften lautstark an. In der Luft liegt der Duft von heißem Popcorn, gegrillten Hotdogs und frisch gezapftem Bier, vermischt mit dem charakteristischen Geruch des Ahornparketts und dem Schweiß der Athleten.

Der Moment, der alles verändert

Auf dem Spielfeld treffen die New York Knicks in einem NBA-Spiel auf die Orlando Magic – angeführt vom deutschen Superstar Franz Wagner. Der 24-Jährige gilt aufgrund seines außergewöhnlichen Talents und seiner Vielseitigkeit als legitimer Nachfolger von Basketball-Legende Dirk Nowitzki. Wie hoch Wagners Stellenwert in der Liga ist, zeigt auch sein Vertrag: Für fünf Jahre sicherte sich Orlando die Dienste des Deutschen für insgesamt 224 Millionen US-Dollar. Damit ist er der bestbezahlte deutsche Sportler der Geschichte. Das erste Viertel läuft. Die Partie ist intensiv, das Tempo hoch. Dann fliegt der Ball in Richtung von Franz Wagner. Er nimmt Anlauf, steigt zum Dunking hoch – und plötzlich passiert es. Bei einem Zusammenprall in der Luft mit seinem Gegenspieler kommt er aus dem Gleichgewicht und landet unglücklich auf dem linken Fuß. Sofort krümmt sich der Superstar vor Schmerzen auf dem Boden. Das medizinische Team eilt zu Hilfe, übernimmt die Erstversorgung und stützt Wagner auf seinem Gang in die Kabine. Einen Tag später wird die Diagnose bekanntgegeben. Bei der Verletzung handelt es sich um einen sogenannten High Ankle Sprain – eine Sprunggelenksverletzung, bei der das Syndesmoseband beteiligt ist. Die MRT-Untersuchung schließt schwerwiegende strukturelle Schäden aus, was zunächst auf eine Reha-Dauer von zwei bis vier Wochen hindeutet. Die Realität sieht jedoch anders aus. Wagner braucht monatelang, um seine Fußprobleme in den Griff zu bekommen.

Wenn das Sprunggelenk zur Schwachstelle wird

Sprunggelenksverletzungen zählen zu den häufigsten Diagnosen im Basketballsport. Sowohl im Leistungs- als auch im Amateurbereich stellen sie eine erhebliche Herausforderung für die Sportler, Ärzte und Physiotherapeuten dar. Die Kombination aus wiederholten Sprüngen, abrupten Richtungswechseln, hoher Spielgeschwindigkeit und engem Gegnerkontakt führt zu einer außergewöhnlich hohen Belastung des oberen Sprunggelenks. „Besonders betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene, wobei die Verletzungsinzidenz mit zunehmender Intensität und Leistungsdichte steigt“, erklärt Physiotherapeut Martin Teichmann. Der 40-Jährige hat mehrere Jahre lang die Bundesliga-Mannschaft der Telekom Baskets Bonn betreut. „Während Profisportler höheren mechanischen Belastungen ausgesetzt sind, zeigen Amateur- und Nachwuchsspieler häufig Defizite in Technik, Koordination und Präventionsarbeit, sowie einem allgemein schlechteren Fitnesszustand“, sagt Teichmann.

Für Eilige
Sprunggelenke sind beim Basketball besonders anfällig für Verletzungen. Häufig bleiben trotz Therapie Beschwerden oder Instabilitäten zurück. Entscheidend für die Rückkehr in den Sport sind eine funktionelle Reha mit früher Aktivierung und ein systematischer Belastungsaufbau. Prävention und neuromuskuläres Training reduzieren das Risiko erneuter Verletzungen.

Umknicktrauma als Klassiker

Insbesondere laterale Distorsionen gehören laut Statistiken seit jeher zu den häufigsten Ausfallursachen im Basketball. Etwa jede fünfte Verletzung fällt in diesen sensiblen Bereich. Betroffen sind meist das vordere und mittlere Außenband und seltener das hintere Außenband. Matthias Schmitt, seit knapp acht Jahren Physiotherapeut der deutschen Basketball-Nationalmannschaft, bestätigt das im Gespräch mit der pt. „Das klassische Supinationstrauma ist die Hauptverletzung, die ich in all den Jahren immer wieder erlebt habe. Ein Spieler knickt mit dem Fuß nach außen weg und überdehnt oder reißt sich im schlimmsten Fall die Bänder. In den letzten vier Jahren hatten wir bei jedem großen Turnier jeweils einen Fall.“

2025, beim sensationellen Gewinn der Europameisterschaft, war es Justus Hollatz. Der Spieler in Diensten des FC Bayern Basketball, war im Viertelfinale auf dem Fuß eines Mitspielers gelandet und dabei umgeknickt. „Wir haben sofort das Sprunggelenk gekühlt und einen Kompressionsverband angelegt. Kurz darauf haben wir mit einer behutsamen Mobilisation begonnen. Unser Ziel war es, den Spieler für ein mögliches Finale fit zu bekommen“, erklärt Schmitt. Tatsächlich schlägt die Akuttherapie sofort an, sodass Hollatz vier Tage später im Spiel um den Titel mitwirken kann und am Ende den Pokal in die Höhe stemmt. „Zum Glück ging alles gut, aber da muss jeder Handgriff und jede Überlegung sitzen, da die Zeit enorm knapp war.“

Dank einer Akuttherapie steht Justus Hollatz vier Tage nach seiner Verletzung im EM-Finale 2025 wieder auf dem Parkett. (Foto: DBB / Berger / Wiedensohler / Kröger)

„GRUNDSÄTZLICH IST LEISTUNGSSPORT NICHT GESUND“
– MATTHIAS SCHMITT

Leistungssport kennt keine Schonfrist

Der eng getaktete Spielplan ist im Profibereich generell ein großes Problem. Die meisten Basketballer haben einen vollgepackten Kalender, der kaum Zeit zum Atmen lässt. „Gerade in der NBA spielen die Jungs alle zwei Tage, dazu kommt der Flug, das Leben im Hotel und die Zeitumstellung. Das ist schon ein brutales Pensum. Wenn man mal 35 ist, zehrt das umso mehr am Körper“, sagt Schmitt. Justus Hollatz ist zwar erst 25, beklagt aber damals ebenfalls nach seiner Verletzung die Vielzahl der Spiele: „Wir werden verheizt.“ Wichtig in diesem Zusammenhang: Bei einem Leistungssportler werden oftmals andere Entscheidungen getroffen als im Hobbybereich. „Grundsätzlich ist Leistungssport nicht gesund“, sagt Schmitt. „Wir Therapeuten sind aber gefragt, zu schauen, was machbar und aus gesundheitlicher Sicht vertretbar ist. Ich will keine Grenzen überschreiten und einen Schaden womöglich noch vergrößern.“

Genau das ist zum Beispiel der Skifahrerin Lindsey Vonn passiert. Sie nimmt im Februar 2026 mit gerissenem Kreuzband an den Olympischen Winterspielen in Cortina d´Ampezzo teil, stürzt schwer und befindet sich aktuell in einer monatelangen Reha. „Da hat man als Athlet die Fifty-fifty-Chance. Entweder du stehst mit einer Medaille da oder es geht komplett schief und dir fliegt alles um die Ohren“, betont Schmitt. „Diese Mentalität unterscheidet aber einen Supersportler von einem Athleten, der zwar in der Spitze mitmischt, aber nie den ganz großen Durchbruch schafft.“ Entscheidend ist immer, den Körper nicht zu überfordern und zu früh wieder zu viel zu wollen, berichtet Martin Teichmann. „Viele Leute sind nach einer Verletzung wieder bei 95 Prozent, aber eben nicht bei 100 Prozent. Auf Profiniveau wird sowas oftmals bestraft. Die große Gefahr ist einfach, dass man sich an der gleichen Stelle wieder verletzt oder sich sogar noch Sekundarverletzungen zuzieht, die dann noch schlimmer sind.“

Zu früh zurück auf das Parkett

Das beste Beispiel ist in diesem Zusammenhang tatsächlich Basketballstar Franz Wagner. Am 15. Januar 2026 findet zum ersten Mal in der Geschichte der NBA ein reguläres Saisonspiel auf deutschem Boden statt. Genauer gesagt in Wagners Heimatstadt Berlin. Klar, dass der 24-Jährige unbedingt dabei sein will. Letztendlich aber mit fatalen Folgen. Wagner spielt, kurz darauf bricht seine Sprunggelenksverletzung aber erneut auf und zwingt ihn mit einer kleinen Unterbrechung zu einer Zwangspause bis Anfang April. In einem Interview mit der Zeitung „Orlando Sentinel“ sagt Wagner rückblickend: „Natürlich wollte ich unbedingt in Berlin spielen, aber wahrscheinlich war ich dafür noch nicht bereit.“

Matthias Schmitt kann das nachvollziehen. „Das Spiel in Berlin war ein riesiges Highlight für Franz in seiner Karriere. Da versucht man natürlich alles, um zu spielen. Aus menschlicher Sicht kann ich das schon verstehen.“ Die klinische Perspektive ist meist eine andere. „Wenn es körperlich kritisch ist, gibt man als Physio eine Empfehlung ab, aber am Ende des Tages ist es die Sache der Ärzte und des Spielers, ob dieser das annimmt oder nicht.“ Wagner entscheidet sich für das Spiel. „Sein Bruder Moritz (Anm. d. Red.: spielt auch bei den Orlando Magic) hat mir gesagt, dass Franz einfach so stolz ist, dass in Berlin Menschen mit Orlando Magic-Trikots rumlaufen. Da wollte er seiner Heimatstadt auch gerne was zurückgeben.“ Martin Teichmann pflichtet Schmitt bei, dass man als Physiotherapeut zwar mit Rat und Tat zur Seite steht, die finale Entscheidung aber von anderen getroffen wird. „Dafür gibt es Ärzte. Die müssen dann die Verantwortung übernehmen. Ich glaube aber, es ist die berühmte Abwägung.“ Im Profisport ist es üblich, dass das medizinische Team und die Trainer gemeinsam besprechen, was möglich ist und was nicht. „Die physiotherapeutische Sichtweise ist meist zurückhaltender. Ich sage gerne: Mach´ lieber noch eine Woche ruhig. Das funktioniert dann vielleicht bei Freizeitspielern, beim Profisport sieht es aber meist anders aus. Da heißt es oft: Pass´ auf, wir gehen das Risiko ein, aber die Chance, dass was passiert, ist gegeben“, schildert Teichmann. Das A und O in solchen Angelegenheiten ist Transparenz. „Wenn ich einen Spieler anlügen müsste, würde ich das nie und nimmer mitmachen.“ Es gibt aber auch die umgekehrte Situation. „Manche Jungs fühlen sich schon längst wieder fit und sind total aggro, weil sie wieder auf Court zurückwollen“, sagt Teichmann. „Da bekommt man dann zu hören: Mir tut nichts mehr weh, ich bin im Training schon gesprungen und habe Dunkings gemacht. Warum sollte ich nicht spielen?“

Franz Wagner ist mit seinem Team amtierender Welt- und Europameister. (Foto: DBB / Berger / Wiedensohler / Kröger)

Millionen auf dem Spiel

Letztendlich ist es immer eine Teamentscheidung, wann ein Spieler wieder auf die große Bühne zurückkehrt. Im Fall Wagner und seiner NBA-Kollegen sind solche Urteilsfindungen besonders spannend. Durch die hochdotierten Verträge sind die Athleten nicht mehr nur Menschen, sondern im übertragenen Sinne auch wertvolle Güter der Vereine. Die Zahlen zeigen: Jedes Spiel, das Wagner ausfällt, kostet Orlando Magic etwa eine halbe Million Dollar.

Da ist es auch nicht verwunderlich, dass die NBA-Teams ihre eigenen Physiotherapeuten mit nach Europa schicken, wenn beispielsweise eine EM stattfindet. „Die Wagner-Brüder haben immer einen eigenen Physio dabei. Entweder einen aus ihren frühen Berliner Zeiten, der die beiden schon ewig kennt oder einen von den Orlando Magic“, berichtet Matthias Schmitt. „Ich selbst komme physiotherapeutisch meist gar nicht an die beiden Jungs ran.“ Klingt erstmal nach Kontrollwahn und übergriffigem Verhalten, ist aber so abgesprochen und hat ein klares Ziel. „Das kommt uns bei der Nationalmannschaft nur entgegen. Wir sind ein bisschen entlastet, weil wir uns nicht um alle Spieler gleichzeitig kümmern müssen und wissen zusätzlich, dass die zwei individuell und hochprofessionell versorgt sind.“ Der Austausch mit den internationalen Kollegen findet trotzdem statt – und das auf höchstem Niveau. „Mittlerweile kennen die unseren Stab schon ganz gut und können sehr gut einschätzen, dass wir hier vernünftig arbeiten. Aus medizinischer Sicht spüren wir hundertprozentiges Vertrauen.“

Warum Basketballer so häufig umknicken

Doch egal, wie gut man handelt und behandelt, vor einer Verletzung am Sprunggelenk ist kein Basketballspieler gefeit. Der typische Fall ist die Landung auf dem Fuß eines Gegenspielers nach Sprungaktionen. Dazu gehören zum Beispiel Rebounds, Blocks, Korbleger und Sprungwürfe. „Biomechanisch spielen vor allem unkontrollierte Inversionsbewegungen in Kombination mit axialer Belastung eine entscheidende Rolle. Eine insuffiziente neuromuskuläre Kontrolle, reduzierte Hüftstabilität sowie Defizite in der Landemechanik erhöhen das Verletzungsrisiko erheblich“, verdeutlicht Teichmann. Basketball stellt also besondere Anforderungen an das Sprunggelenk, alleine schon durch die hohe Wiederholungszahl explosiver Sprünge, den ständigen schnellen Beschleunigungs- und Bremsbewegungen sowie dem häufigen Körperkontakt bei Sprüngen. „Zusätzlich kann Ermüdung im Spielverlauf zu einer Verschlechterung der Bewegungsqualität führen und damit zu einem erhöhten Verletzungsrisiko.“

Die ersten Minuten nach der Verletzung

Ist das Unglück erst einmal passiert, läuft eine strukturierte klinische Untersuchung ab. „Die allererste Entscheidung nenne ich immer Leben oder Tod. Das heißt, wir entscheiden mit dem Arzt noch am Spielfeldrand, ob es weitergeht oder nicht“, erläutert Schmitt. Teichmann ergänzt: „Hier findet in der Regel neben dem Anterior Drawer Test und dem Talar Tilt Test die Analyse des Verletzungsmechanismus statt. Außerdem beurteilt man die Schwellung und Hämatome sowie die Stabilität und Belastbarkeit des Gelenks. Je nach Schwere der Verletzung muss auch der neurovaskuläre Status beachtet werden.“

Return to Activity Algorithmus (RTAA®) – Level 1: Balance Squat / Y Balance Test · Level 2: Balance Front Hop / Front Hop Test · Level 3: Balance Side Hop / Side Hop Test · Level 4: 90° Balance Hop / Square Hop Test. Quelle: Keller et al. (2016) Sportverletzt Sportschaden. Grafik: RPV

Wenn der Betroffene einen stechenden Schmerz verspürt und das Sprunggelenk nicht mehr richtig bewegen oder belasten kann, geht es direkt in die Kabine. Dort ist zuerst Komprimieren und Kühlen angesagt. „Mir ist es sehr wichtig, dass mindestens 48 bis 72 Stunden eine Dauerkompression auf dem Gelenk drauf ist, egal was passiert. Ziel ist es, dass es nicht zu einem riesigen Ballon anschwillt“, sagt Schmitt. „Parallel dazu fahren wir die klassische Akuttherapie mit Lymphdrainage, leichter Mobilisierung, Hochlagerung, reduzierter Belastung, ausreichend Schlaf und Nahrungsergänzungsmitteln.“

Erst dann kommt die Diagnostik. „Wir schauen uns dann mit allen Beteiligten genau an, was wir für einen Fall haben und wie stark die Verletzung ist. Dabei stellen wir uns folgende Fragen: In welcher Phase des Turniers sind wir gerade? Ist der Spieler komplett raus? Haben wir eine Chance, dass er nochmal zurückkommt?“, sagt Schmitt. Bei extremer Instabilität, deutlichen Fehlstellungen des Fußes, kompletter Belastungsunfähigkeit oder auch dem Verdacht einer Syndesmosebeteiligung gilt besondere Vorsicht. In der Regel findet für solche Fälle eine schnelle bildgebende Diagnostik statt. Die meisten Teams der NBA haben sogar Röntgen- und MRT-Geräte in der Halle, sodass noch während des laufenden Spiels ein Befund erhoben werden kann.

Von der Ruhigstellung zur Aktivierung

Sobald klar ist, wo der Schuh im wahrsten Sinne des Wortes drückt, geht es an die Therapie. Besonders die akute Phase hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Während früher häufig eine längere Ruhigstellung empfohlen wurde, steht heute die frühfunktionelle Reha im Vordergrund. „Früher war es durchaus Standard, dass die verletzten Spieler noch selbstständig zu mir in die Praxis gekommen sind und eine passive Therapie gemacht haben. Also Lymphdrainage, Mobilisation und durchblutungsfördernde Maßnahmen“, erzählt Teichmann. „Letztendlich war es schmerzabhängige Physiotherapie kombiniert mit Abwarten, bis es besser wird.“

Nicht zuletzt durch die Professionalisierung der Strukturen in Basketballsport hat sich aber einiges verändert. „Heute hat jeder Verein Athletiktrainer, die die aktive Therapie übernehmen. Wenn es der Fuß schmerzbedingt zulässt, können die Spieler auch am ersten Tag nach der Verletzung wieder Übungen im Einbeinstand machen“, erläutert Teichmann.

Funktion vor Zeitplan

Matthias Schmitt pflichtet ihm bei, dass sich das Vorgehen der Therapie stark verändert hat. „Man geht viel früher wieder in die Aktivität rein. Heute wissen wir, dass es eher ein Nachteil ist, wenn man Gewebe zu sehr ruhigstellt und nicht belastet.“ Kontrollierte Belastungssteuerung ist das Mittel zum Zweck. Der Physio der Nationalmannschaft erklärt das anhand eines Beispiels: „Wer eine Außenbandverletzung hat, kann trotzdem den Fuß hoch und runter bewegen. Das hilft dabei, dass ein Gelenkstoffwechsel stattfindet, die Kapsel-Band-Strukturen ein bisschen zum Zug kommen und damit der Heilungsprozess besser abläuft. Die Muskeln atrophieren nicht und die Schwellung geht zurück.“ Die Zauberformel lautet also: Kleine Schritte machen, aber von Anfang an. Wichtig hierbei ist es, den Faktor Zeit primär außer Acht zu lassen. „Es passiert leider viel zu oft, dass es heißt: Jetzt sind sechs Wochen um, dann kannst du automatisch auch bestimmte Sachen wieder machen. Entscheidend ist immer die Funktionalität“, so der Experte. Im Übrigen spielt es dabei keine Rolle, ob es sich um einen Superstar oder Hobbyspieler handelt. „Profi und Normalbürger heilen grundsätzlich gleich. Die Umstände sind beim Leistungssportler aber besser.“

Der lange Weg zurück

Generell unterscheidet sich die Rehabilitation von Basketballspielern deutlich von anderen Sportarten. Neben Kraft und Beweglichkeit steht insbesondere die Wiederherstellung dynamischer Stabilität im Vordergrund. Hierzu gehören sportartspezifische Bewegungsmuster, Propriozeptionstraining und neuromuskuläre Kontrolle. Im weiteren Verlauf folgen dann Sprungvariationen, schnelle Richtungswechsel, Landungs- und Stabilisationstraining sowie Kontaktbelastungen. Martin Teichmann erläutert hierzu: „Die Return-to-Play-Entscheidung sollte niemals ausschließlich symptomorientiert erfolgen. Schmerzfreiheit und bildgebende Verfahren allein stellen kein ausreichendes Freigabekriterium dar.“ Matthias Schmitt ergänzt: „Um zu beurteilen, ob ein Spieler wieder einsatzbereit ist, gibt es mit dem Return to Activity Algorithmus ein klares Protokoll. Das sind verschiedene Stufen. Es beginnt mit normaler Alltagsaktivität, geht über zum Joggen, weiter zu Sprüngen bis hin zu 90 Grad-Drehungen und allen Bewegungen, die die Sportart braucht.“ Basketball hat Level vier und damit die höchste Anforderung. Objektive Testverfahren sind hierfür beispielsweise der Y-Balance-Test und verschiedene Hop-Tests.

„ICH DENKE, DASS DIE SPIELER ZUNEHMEND INDIVIDUALISIERT, DATENBASIERT UND TECHNOLOGIEGESTÜTZT UNTERSTÜTZT WERDEN“
– MARTIN TEICHMANN

Der Kopf spielt mit

Neben physischen Kriterien spielen auch mentale Faktoren eine zentrale Rolle. „Viele Athleten entwickeln nach wiederholten Distorsionen eine ausgeprägte Angst vor erneutem Umknicken“, berichtet Teichmann. „Dieses Unsicherheitsgefühl beeinflusst nicht nur die Bewegungsqualität, sondern häufig auch Explosivität, Entscheidungsverhalten und Gesamtperformance. Auch hier spielt im Profisport der Neuroathletische Ansatz mehr und mehr eine Rolle, da durch den Input für das zentrale Nervensystem das Gehirn und somit der Basketballer an Sicherheit gewinnt.“ Schmitt fasst zusammen: „Es muss alles vernünftig funktionieren, damit ich einen Spieler wieder auf das Feld lasse. Ich will verhindern, dass er nach dem dritten Training wieder Schmerzen hat. Denn genau das kommt leider häufiger vor, als den Physios lieb ist. „Studien zeigen, dass etwa ein Drittel der Betroffenen nach einer vermeintlich einfachen Distorsion wiederkehrende Beschwerden oder funktionelle Instabilitäten entwickeln“, berichtet Teichmann. Häufig übersehen werden aus seiner Sicht Begleiterscheinungen wie Syndesmosenverletzungen oder funktionelle Beschwerden in anderen Gelenken aufgrund unbewusster Kompensationsmuster. „Ich habe Leute in der Praxis, die mir erzählen, dass sie vor Monaten eine Sprunggelenksverletzung hatten, jetzt aber Knie- oder Hüftschmerzen haben. Das Schlimmste ist sich eine Schonhaltung anzutrainieren.“

Schmitt sieht das genauso: „Wir reden immer über Kettenreaktionen. Man darf eine Verletzung nicht bagatellisieren. Sonst hat man ganz schnell Probleme mit einer Kompensation oder im schlimmsten Fall mit einer chronischen Instabilität.“ Besonders im Hobbybereich kommt dieser Fall häufig vor. „Viele spielen schon zwei Wochen nach einem Umknicktrauma wieder und wundern sich später, dass das Gelenk nach einem halben Jahr immer noch eingeschränkt ist. Man darf nicht vergessen: Der Fuß ist der erste Auftrittspunkt am Boden und wenn man sich da nicht voll bewegen kann, versucht der Körper das auszugleichen. Am Ende führt das zu einer Überlastung und dann macht es Peng.“

Wenn Beschwerden chronisch werden

Die Folge sind Langzeitschäden. Ein erheblicher Anteil der Basketballspieler entwickelt nach wiederholten Distorsionen eine chronische Instabilität des Sprunggelenks. „Das kann diverse Ursachen haben, die individuell geprüft werden müssen. Häufig zeigen sich Defizite in den Bereichen Propriozeption, Reaktionsfähigkeit, Balance, allgemeines Bewegungsmuster und Gleichgewichtssinn“, schildert Teichmann. „Eine unzureichende Reha gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für anhaltende Beschwerden. Insbesondere zu frühe Return-to-Play-Entscheidungen erhöhen das Risiko erneuter Verletzungen erheblich.“ Im schlimmsten Fall führen wiederholte Instabilitäten zu Knorpelschäden, frühzeitiger Arthrose und chronischen Schmerzen.

Prävention statt Zwangspause

Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, sind präventive Maßnahmen ein elementarer Baustein. „Wirksame Strategien basieren auf neuromuskulärem Training und propriozeptiven Übungen. Besonders effektiv sind Einbeinstand-Variationen, Balance-Training, Sprung-Landungs-Programme und dynamische Stabilisationsübungen“, sagt Teichmann. „Dazu kommen Gleichgewichtstraining und sensorische Maßnahmen, wie zum Beispiel Vibrationen am Sprunggelenk.“

Prävention sollte also fest in das Mannschaftstraining integriert werden und idealerweise Bestandteil eines jeden Warm-ups sein. „Insgesamt ist ein gutes Aufwärmprogramm eins der besten Mittel um Verletzungen vorzubeugen. Auch ein gezieltes Warm-up der Sprunggelenke ist ein wichtiger Baustein. Eine effektive Übung ist hierfür das Nachzeichnen einer Acht mit dem Fuß“, erklärt der Physiotherapeut.

Taping als ergänzende Maßnahme

Auch externe Maßnahmen zur Stabilisation der Sprunggelenke haben einen hohen Stellenwert. „Halbfeste Bandagen und das richtige Schuhwerk können helfen. Dazu kommt das berühmte Taping. Es trägt bei Wettkämpfen kurzfristig zu einer zusätzlichen Stabilität bei, ersetzt aber kein funktionelles Training“, betont der Experte. Dennoch ist Taping seit jeher ein großes Thema beim Basketball. „Als ich damals in Bonn zur Mannschaft kam, war das meine allererste Amtshandlung. Der Physio, der mich eingearbeitet hat, ist mit mir in die Kabine gegangen, hat mir die Spieler vorgestellt und anschließend erklärt, wie man die Sprunggelenke richtig taped“, erinnert sich Teichmann lachend an die Anfänge zurück. „Das war der erste Schritt, bevor ich überhaupt einen Profi behandelt habe.“ Eine Taping-Pflicht gab es aber nicht. „Wir hatten auch Spieler, die gesagt haben, dass sie das nicht wollen.“ Auch bei der deutschen Nationalmannschaft gibt es keine strikte Vorgabe. „Wir checken das individuell“, sagt Schmitt. „Für uns ist wichtig, wie die aktuelle Gesundheitssituation des Spielers ist, seine Verletzungshistorie und wann er zuletzt Probleme hatte. Insgesamt sind wir dann eh schon bei 95 Prozent, die wir für das Training oder ein Spiel tapen.“ Die meisten von ihnen kennen das schließlich eh schon von ihren Vereinen. „Es gibt inzwischen Teams, da ist das ein Muss. Man darf nicht vergessen, wenn ein Spieler verletzt ausfällt, kostet das den Verein viel Geld“, verdeutlicht der Experte. Ob getaped oder nicht – passieren kann trotzdem immer etwas: „Bei meinem allerersten Auswärtsspiel haben sich gleich zwei Spieler verletzt und einer davon hat sich das Sprunggelenk komplett zerstört. Einfach dumm gelaufen. Aber das zeigt eben, wie sensibel dieser Bereich ist“, fügt Teichmann hinzu. „Ein weit verbreiteter Mythos bleibt die Annahme, eine Distorsion des Sprunggelenks sei eine kleine Verletzung.“ Das musste auch Franz Wagner schmerzhaft am eigenen Leib erfahren. Erst am 1. April kehrt er schließlich endgültig zum Team zurück. Zunächst mit Erfolg: Der wiedergenesene Superstar führt sein Team bis in die Playoffs. Einziger Wermutstropfen: Die Orlando Magic scheiden in der ersten Runde aus und Wagner zieht sich eine Wadenzerrung zu. Das ist aber wieder eine andere Geschichte.

Die Zukunft der Basketball-Physiotherapie

Bleibt noch die Frage zu klären, wie die Behandlung der Zukunft im Basketball aussieht. Martin Teichmann hat da eine klare Vorstellung: „Ich denke, dass die Spieler zunehmend individualisiert, datenbasiert und technologiegestützt unterstützt werden. Für uns Physiotherapeuten bedeutet das eine immer stärkere Verknüpfung aus klinischer Erfahrung, evidenzbasierter Praxis und sportwissenschaftlicher Zusammenarbeit.“ Dazu kommt der stetig wachsende Bereich der Neuroathletik. „Die Fußballvereine haben schon längst eigene Trainer dafür, beim Basketball wird das früher oder später auch der Fall sein“, prognostiziert Teichmann. „Früher hat es niemanden interessiert, was ein Spieler nach einem Bänderriss mit seinem Kopf macht. Heute weiß man, die Integration vom Gleichgewichtssystem spielt definitiv eine Rolle.“ Matthias Schmitt bestätigt das: „Das ist ein Gebiet, das man miteinschließen sollte. Ich gehe davon aus, dass dieser wichtige Bereich in Zukunft noch deutlich größer wird.“

Genau hier sind künftig die Athletiktrainer gefordert. „Die sind für die klassische Hands-Off-Arbeit zuständig. Wir Physiotherapeuten sind im Profisport eher die Hands-On-Typen“, fasst Teichmann lachend zusammen. „Natürlich ist es aber wichtig, gemeinsam Ideen auszutauschen und sich abzusprechen.“ Ziel dabei ist und bleibt die Spieler bestmöglich fit und gesund zu halten. Damit es am Ende heißt, um in der Basketballsprache zu bleiben: Physio sei Dunk.

Klinische Tests am Sprunggelenk

Talar Tilt Test 1 (Inversions- oder Varusstresstest)

Vorgehensweise: Der Therapeut greift mit einer Hand die Ferse des Patienten und stabilisiert mit der anderen den Unterschenkel oberhalb des Sprunggelenks. Das Lig. Calcaneofibulare wird mit dem Daumen ertastet und der Fuß wird aus dieser Stellung invertiert. Um die verschiedenen lateralen Bänder zu differenzieren, kann die Fußstellung zwischen neutral, dorsalextendiert oder plantarflektiert variieren.

Befund: Schmerzen bei der Testung oder eine sicht-/tastbare Aufklappbarkeit deuten auf eine Ruptur der verschiedenen äußeren Ligamente hin.

Talar Tilt Test 2 (Eversions- oder Valgusstresstest)

Vorgehensweise: Der Therapeut greift mit der einen Hand die Ferse des Patienten und stabilisiert mit der anderen den Unterschenkel oberhalb des Sprunggelenks. Das Lig. Deltoideum wird mit dem Daumen ertastet und der Fuß wir aus dieser Stellung evertiert.

Befund: Die Aufklappbarkeit (vor allem im Seitenvergleich) ist maßgeblich für die Diagnose des Lig. Deltoideum

Schubladentest (anterior/posterior Drawer-Test)

Vorgehensweise vordere Schublade (aD-Test): Um den M. gastrocnemius zu entspannen, liegt der Patient mit gebeugtem Knie auf dem Rücken. Der Therapeut greift mit einer Hand die Ferse des Patienten und bringt das obere Sprunggelenk in 15° Plantarflexion. Mit der anderen Hand fixiert er von ventral die Tibia. Der Fuß wird dann ventral über die Ferse geschoben, entgegen der Fixierung der Tibia.

Befund aDTest: Bei einer Rotation des Talus nach lateral und einem Austreten nach ventral liegt einer Ruptur des Lig. Talofibulare anterius vor.

Vorgehensweise hintere Schublade (pD-Test): Die Durchführung erfolgt in die entgegengesetzte Richtung. Der Therapeut fixiert die Tibia von dorsal mit der anderen umfasst er den Mittelfuß. Der Fuß wird nach dorsal geschoben, entgegen der Fixierung der Tibia.

Befund pDTest: Bei einer Rotation des Talus nach medial und einem Austreten nach dorsal, liegt eine Verletzung des Lig. Calcaneofibulare und des Lig. Talofibulare posterius vor.

Fotos: Physio Teichmann


Matthias Schmitt
Seine Begeisterung für Ausdauersport als aktiver Triathlet und Marathonläufer führte Matthias Schmitt zur Physiotherapie. Nach zehn Jahren als Physio beim FC Bayern Basketball, gehört er seit 2018 zum festen Betreuerteam der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Parallel dazu führt er seit 2017 seine eigene Privatpraxis in München.

Foto: Jörn Wolter

Martin Teichmann
Er ist Physiotherapeut, sektoraler Heilpraktiker und zertifizierter Trainer im Bereich Neuroathletik. Er war vier Jahre als Physiotherapeut bei den Telekom Baskets Bonn aktiv und betreut bis heute Spitzensportler. Zudem ist er mit Berufsmusikern und Bands auf Tour. In Bonn betreibt er seine eigene Praxis.

Foto: DBB / Kröger / Sevastos


Im Gespräch mit Heiko Schaffartzik

Wie erleben Profi-Sportler selbst die physiotherapeutische Behandlung und was ist dabei besonders wichtig? Wer in der Sportphysiotherapie arbeiten möchte, sollte die Perspektive der zukünftigen Patienten kennen, um ihnen die bestmögliche Betreuung zu bieten. Deswegen hat die pt-Redaktion den ehemaligen Basketball-Nationalspieler Heiko Schaffartzik zu dem Thema befragt.

„WICHTIG IST, DEM SPIELER DAS VERTRAUEN ZU GEBEN, DASS ES JETZT WIEDER GEHT“ – Heiko Schaffartzik

Welche Rolle spielte Physiotherapie in deiner Zeit als Profispieler?

Physiotherapie hatte in meiner aktiven Karriere eine sehr große Bedeutung. Während Verletzungen sowieso, von denen ich größtenteils verschont geblieben bin. Aber oft habe ich auch gemerkt: „Wenn ich hier noch ein bisschen weitermache, wenn das jetzt nicht behandelt wird, dann kommt es zu einer Verletzung.“

Welche Maßnahmen haben dir am besten geholfen?

Hauptsächlich Triggerpunkte und Massage. Wenn die Muskulatur wieder gelockert war beziehungsweise nicht so eine Spannung drauf war, dann lief der Apparat auch viel leichter. Es gab weniger Beschwerden und die Verletzungsgefahr war viel geringer. Gutes Tapen, Wärmesalbe oder Regenerationsmassage haben mir sehr geholfen. Außerdem haben die Physios mir spezielle Aktivierungsübungen für die verschiedenen Muskeln oder Muskelgruppen gezeigt, bei denen es Probleme für mich geben könnte. Zudem habe ich viele Dehnübungen gemacht. Auch Hitze und Kälte haben einen riesigen Unterschied gemacht.

Welche Themen sind für dich wichtig?

Belastungssteuerung, Athletiktraining und Prävention sind sehr, sehr wichtig. Ich habe noch zu einer Zeit Basketball gespielt, wo die Trainer noch nicht so viel von Belastungssteuerung gehalten haben. Wenn man sagte: „Ich bin müde“, dann hieß das eigentlich in deren Logik: „Noch mehr trainieren, damit du nicht mehr müde bist.“ Das gibt es immer noch, aber immer weniger. Athletiktraining halte ich auch für sehr, sehr wichtig. Das müsste noch viel mehr eingebracht werden. Allerdings ist das bei zwei bis drei Spielen die Woche nicht ganz einfach. Prävention finde ich ebenfalls ein superwichtiges Thema. Prävention haben wir vor allem in Frankreich gemacht, mit langsamen Übungen beim Krafttraining in der Belastungsphase. Das hat viel geholfen.

Wie ist der Weg nach einer Verletzung zurück aufs Spielfeld?

Der mentale Aspekt ist sehr schwer, wenn du siehst, wie die anderen alle spielen und Spaß haben. Wenn sie verlieren, denkst du: „Mann, ich will dabei sein, damit sie wieder gewinnen!“ Wenn sie gewinnen, denkst du: „Ich will auch ein Teil davon sein und mitgewinnen, ich will auch dazu beitragen!“ Dann siehst du sie im Training und bist immer ein bisschen isoliert vom Rest der Mannschaft. Das ist nicht so geil. Du kannst deinen Körper nicht so einsetzen, wie du eigentlich willst. Hinzu kommt die Sorge: „Verliere ich meinen Platz in der Mannschaft, wenn ich nicht rechtzeitig dabei bin?“ Dann die Schmerzen und wenn man zu viel macht, dann schwillt alles an. Zudem kommt noch Druck von Verein, Trainer oder Manager, die sagen: „Du musst jetzt wieder aufs Spielfeld!“, aber du denkst selbst: „Das tut noch weh, das ist noch nicht so weit!“ Oft machst du immer die gleichen Übungen und dann hängt es dir zum Hals raus. Also der Weg zurück aufs Spielfeld nach einer Verletzung ist sowohl mental als auch körperlich sehr schwierig.

Sprunggelenkverletzungen sind im Basketball sehr häufig. Warst du auch mal betroffen?

Ja, ich hatte mal eine Verletzung am linken Sprunggelenk. Das war ein Anriss von einem Band am Knöchel. Der Weg der Genesung war auch ein bisschen nervig wegen den Schmerzen beim Gehen, der Schwellung und den ganzen Physio-Einheiten, die du machen musst. Du willst eigentlich auf dem Feld stehen und wieder loslegen, aber man darf nicht zu viel machen und auch nicht zu wenig. Sich von Verletzungen zu erholen, ist immer eine nervige Geschichte.

Was sollten Physiotherapeuten unbedingt beachten, wenn sie Basketballspieler mit Sprunggelenkverletzungen behandeln?

Die Physiotherapeuten, die ich hatte, haben das alles schon verstanden. Für jemanden, der es noch nicht gemacht hat: Die Spieler wollen so schnell es geht wieder auf dem Feld stehen, aber eigentlich nur zu 100 Prozent. Spieler haben Angst davor, dass sie von einem Physio, Arzt oder Trainer zu einer frühzeitigen Rückkehr gedrängt werden oder da sind, obwohl sie eigentlich noch gar nicht richtig fit sind. Dann haben sie natürlich Angst vor einer Folgeverletzung. Die stellt im Profibereich schon ein großes Problem dar. Das müssen Physios managen: Wie viel ein Spieler machen kann und wann man ihn zurückhalten sollte. Wichtig ist, dem Spieler das Vertrauen zu geben, dass es jetzt wieder geht, dass es nicht zu viel ist oder dass man auch nicht zu wenig macht. Das wäre das Ideale für die Basketballer.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ray Winkler.

Heiko Schaffartzik
ist ehemaliger Basketballspieler für die deutsche Nationalmannschaft und war dort vier Jahre lang Kapitän. Zwischen 2009 und 2015 war er bei 115 Länderspielen im Einsatz. Außerdem spielte er unter anderem für Alba Berlin und FC Bayern. Seit 2020 arbeitet er als Schauspieler und Sport-Kommentator.

Foto: Charlie Loulan 2026